Frauenfußball: Klassenunterschiede
Frauenfussball: Klassenunterschiede

Mädels mit dem Adler auf der Brust: Klassenunterschied und Kaffeeservice

Vier Wochen lang messen sich im Sommer die DFB-Damen bei der Fußball-Weltmeisterschaft der Frauen in Kanada mit den besten Fußballerinnen der Welt. Umso erstaunlicher, dass fast alle Spielerinnen im Aufgebot von Bundestrainerin Silvia Neid ein zweites berufliches Standbein benötigen.

Mit schöner Regelmäßigkeit ist im Fußball von Klassenunterschieden die Rede. Zum Beispiel dann, wenn die DFB-Elf gegen die Auswahl San Marinos antritt (die bisher letzte Begegnung am 02. Juni 2007 entschied Deutschland übrigens mit 6 : 0 für sich) oder der FC Bayern mal wieder einen bemitleidenswerten Gegner vernascht hat.

Klassenunterschiede gibt es aber auch in anderer Hinsicht. Ganz besonders deutlich wird das dann, wenn man die Einkommensverhältnisse männlicher und weiblicher Fußballspieler beziehungsweise -spielerinnen miteinander vergleicht. Kaum irgendwo dürfte der Gender Pay Gap – also der geschlechtsspezifische Lohnunterschied – deutlicher auseinander klaffen als im Fußballgeschäft. Das gilt auch für die Nationalteams: Während Manuel Neuer, Thomas Müller & Co. Millionen verdienen, bleibt Nadine Angerer, Simone Laudehr und ihren Kolleginnen unterm Strich ein Gehalt, das bestenfalls sehr ordentlich, aber im Vergleich eben doch eher kärglich ist. Selbst die fünfmalige Weltfußballerin aus Brasilien, Marta Vieira da Silva, kommt nicht annähernd in die Gehaltsregionen, in denen sich ihre männlichen Kollegen bereits seit Jahren schon bewegen. Ein geschätztes Jahresgehalt im niedrigen sechsstelligen Bereich macht deutlich, wie groß die Kluft im Gehaltsgefüge tatsächlich ist. Zum Vergleich, Cristiano „CR7“ Ronaldo hat geschätzte Jahreseinnahmen (inklusive Werbeeinnahmen) von ca. 76 (!) Millionen Euro.

Das Gehaltsgefüge spiegelt sich auch in den Prämien wieder. Während die Fußballer der deutschen DFB-Elf für den Gewinn der Weltmeisterschaft pro Kopf 300.000 Euro in Aussicht gestellt bekommen haben, waren es bei der deutschen Damen-Auswahl lediglich 50.000 Euro. Fast schon legendär ist die Anekdote über die Kaffeeservices, die den DFB-Damen nach dem Gewinn der EM 1989 als Prämie überreicht wurden. Der große Unterschied im Gehaltsgefüge liegt daran, dass Männerfußball wesentlich populärer ist als Frauenfußball – obwohl die Damen in den letzten Jahren klar aufgeholt haben. Dennoch: Durch die höhere Zuschauerzahl sind die Vermarktungsmöglichkeiten, beispielsweise durch TV-Gelder oder Werbeeinnahmen, im Männerfußball deutlich besser. Das wiederum verhilft den Herren zu deutlich besseren Verdienstmöglichkeiten. Die überwältigende Mehrheit der Frauen hingegen muss zusätzlich zum Fußball mit einem normalen Beruf ihren Lebensunterhalt bestreiten.

Rote Karte für die Gleichberechtigung

Die Ursachen für den Klassenunterschied rühren sicherlich auch daher, dass die Anfänge im Frauenfußball steinig waren. Wenn man ein wenig recherchiert, stößt man auf die eine oder andere, aus heutiger Sicht, kuriose Geschichte, welche die Entwicklung des Frauenfußballs begleitet hat. 

Als es in den 50er Jahren verstärkt zu Bildungen von Frauenmannschaften als Verein oder Abteilung kam, schien dem DFB das weibliche Treiben auf den Fußballplätzen zu bunt zu werden. Nachdem die Fußballer der deutschen Elf 1954 die Weltmeisterschaft gewannen, kam es zu Diskussionen über die Zukunft des Frauenfußballs. Für den DFB schien der Gedanke an Frauen auf dem Fußballplatz so abwegig wie ein Kaffeekränzchen im 16er. Deshalb verbot der DFB 1955 kurzerhand allen ihm angeschlossenen Vereinen, Frauenmannschaften zu gründen oder ihnen Plätze zur Verfügung zu stellen. Als Begründung wurde damals angeführt: „Im Kampf um den Ball verschwindet die weibliche Anmut, Körper und Seele erleiden unweigerlich Schaden und die Zurschaustellung verletzt Schicklichkeit und Anstand“. 1970 schließlich sah der DFB seinen Irrweg ein und hob das Verbot auf. 

Bereits ein Jahr vor der WM 1954 bewies man Einfallsreichtum bei dem Versuch, den Frauen das Fußballspiel schlecht zu machen. Der holländische Psychologe Fred J. Buytendijk veröffentlichte 1953 eine Studie, in der er feststellte, dass Fußball für Frauen wesensfremd sei. „Das Fußballspiel als Spielform ist wesentlich eine Demonstration der Männlichkeit. [...] Es ist noch nie gelungen, Frauen Fußball spielen zu lassen. [...] Das Treten ist wohl spezifisch männlich, ob darum Getreten werden weiblich ist, lasse ich dahingestellt. Jedenfalls ist das Nicht-Treten weiblich!“

Letztendlich ließ sich, zur Freude aller, der Frauenfußball in seiner Entwicklung nicht aufhalten und schafft es von Weltmeisterschaft zu Weltmeisterschaft, immer mehr Menschen in seinen Bann zu schlagen.

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