Studienabbrecher
Studienabbrecher

Da geht noch was: Erfolgreich trotz Schul- oder Studienabbruch

Wer in Studium, Ausbildung oder Schule scheitert, gilt in der modernen Arbeitswelt häufig als Versager. Dabei spricht vieles dafür, dass Rückschläge einen Menschen dazu anspornen können, später umso härter für den Erfolg zu arbeiten – das belegen auch prominente Beispiele.

Im Grunde ist doch alles klar: Erst kommt der Schulabschluss, dann Ausbildung oder Studium, danach sucht man sich einen vernünftigen Beruf und ist fortan bitteschön erfolgreich und glücklich. Und das Ganze am besten in Rekordzeit. Wer das nicht schafft, hat versagt!

In unserer Gesellschaft zählen leider noch immer einzig und allein Erfolge. Kein Wunder, dass niemand gerne darüber sprechen möchte, wenn es in der Schule, im Studium oder im Job nicht läuft. „Richtig ist, dass Menschen ohne abgeschlossene Berufsausbildung im Durchschnitt häufiger arbeitslos sind“, betont Orizon-Expertin Andrea Nödel. „Wer aber mal ein Schuljahr wiederholen muss oder sein Studium abbricht, weil er merkt, dass er sich übernommen hat, ist deshalb noch lange kein Versager. Im Gegenteil: Solche Dinge sind  menschlich. Außerdem kommt es gar nicht so selten vor, dass gerade die Karriere von Studienabbrechern in späteren Jahren erst richtig Fahrt aufnimmt.“

Was gibt's Jan Koum?

Tatsächlich gibt es dafür eine ganze Reihe prominenter Beispiele. Eines davon ist Jan Koum. Zuerst deutete kaum etwas darauf hin, dass der heute 39-Jährige einmal eine steile Karriere hinlegen würde. Koum, geboren in der Nähe von Kiew in der Ukraine, wuchs in ärmlichen Verhältnissen auf. Anfang der Neunziger Jahre emigrierte er mit seiner Mutter in die USA, wo er sich zunächst als Putzkraft durchschlug. An seiner Schule erinnern sich ehemalige Lehrer und Klassenkameraden noch heute an ihn als Rabauken und Störenfried. Den Schulabschluss schaffte Jan Koum trotzdem. Er begann ein Studium an der State University im kalifornischen San José, das er jedoch bald wieder abbrach. Stattdessen brachte er sich selbst den Umgang mit Computern bei, war Mitglied in einer Hackergruppe und ergatterte Ende der Neunziger Jahre einen ersten Job als Infrastruktur-Ingenieur bei Yahoo.

Es heißt, Jan Koum habe sich 2009 sein erstes iPhone gekauft und schnell das Potenzial des damals nur wenige Monate alten AppStores erkannt. Der Rest ist (überaus erfolgreiche) Geschichte: Nur eine Woche später, am 24. Februar 2009, gründete Koum sein Unternehmen Whatsapp Inc. Es war sein 33. Geburtstag. Über den Messenger-Dienst WhatsApp, den die Firma entwickelte, chatten heute Millionen von Smartphone-Nutzern miteinander. 2014 übernahm Facebook Koums Unternehmen für sage und schreibe 19 Milliarden US-Dollar.

Ausbildung sichert die Zukunft

Zugegeben: Der märchenhafte Erfolg eines Jan Koum wird beileibe nicht allen Studienabbrechern vergönnt sein. Als Beispiel dafür, dass es für eine erfolgreiche Karriere wichtig ist, sich nicht von Rückschlägen aus der Bahn werfen zu lassen, eignet sich Koums Geschichte aber allemal.

Deutlich schwerer haben es auf dem Arbeitsmarkt erfahrungsgemäß ohnehin diejenigen, die keinen Schulabschluss haben. Informationen der Bundesagentur für Arbeit zufolge besitzen von den insgesamt 9,8 Millionen 25- bis 35-Jährigen in Deutschland 1,5 Millionen keinen formellen Berufsabschluss – das ist beinahe jeder Siebte.[1] Gerade denjenigen Menschen, die aus dem üblichen Ausbildungsalter „herausgewachsen“ sind, fällt es im zertifikatsorientierten Deutschland jedoch schwer, im Arbeitsleben Fuß zu fassen. „Es gibt aber auch gute Nachrichten“, sagt Andrea Nödel. „Vor dem Hintergrund des drohenden Fachkräftemangels müssen Unternehmen heute möglichst alle Potenziale auf dem Arbeitsmarkt nutzen. Damit haben Bewerber die Chance, auch in späteren Lebensjahren eine erste Ausbildung nachzuholen. Wer schon eine Ausbildung in der Tasche hat und erst später merkt, dass der erlernte Beruf doch nicht seine Kragenweite ist, kann in einer Zweitausbildung einen Neuanfang wagen. Dabei lassen sich unter gewissen Umständen sogar bis zu zwölf Monate Ausbildungszeit einsparen. Zusätzlich bieten Fernstudiengänge oder Abendschulen die Möglichkeit, das Abitur nachzuholen.“

 

[1] Quelle: Bundesagentur für Arbeit, 2011

 

 

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