Stress: Job als Stressfaktor
Stress im Job

Job als Stressfaktor

Vom richtigen Umgang mit Stress am Arbeitsplatz

Im Job ist der Stressfaktor oft hoch - der Schreibtisch und das E-Mail-Postfach quellen über, das Telefon klingelt ununterbrochen, die Kollegen nerven, nachmittags steht ein Meeting an und der Chef benötigt auch noch ganz dringend eine aktuelle Zahlenauswertung. Das ist doch purer Stress - oder?

Nicht ganz: Das persönliche Stressempfinden ist  von Mensch zu Mensch unterschiedlich. Einige Kollegen scheinen mühelos mit den täglichen Aufgaben im  Arbeitsalltag zurechtzukommen, andere wiederum stehen im Job ständig unter Strom und sind froh, wenn der Arbeitstag endlich vorbei ist.

Dauerhafter Stress kann oftmals krank machen – die Auswirkungen bekommen die Betroffenen durch Symptome wie chronische Kopfschmerzen oder seelische und psychische Erschöpfung zu spüren, die sogar zum Burn-Out oder zu Depressionen führen kann.

Dipl.-Psychologin Bea Wagener, Fachtherapeutin für Psychotherapie, kennt Strategien zum Stressmanagement, mit denen betroffene Menschen Stress abbauen und selbst aktiv werden können, um ihren Arbeitsalltag ohne Belastung zu bewältigen.

1. Wie wirkt sich chronischer Stress auf den Körper aus?

Empfindet ein Mensch eine Situation als belastend oder überfordernd, schüttet der Körper bestimmte Hormone aus. Diese haben den Sinn dem Betroffenen kurzzeitig mehr Kraft und Energie zur Verfügung zu stellen, um die belastende oder herausfordernde Situation entweder zu verlassen oder lösen zu können. Ist die Situation gelöst, baut der Körper diese Stresshormone wieder ab und entspannt sich. Findet sich jedoch ein Mensch in einer Arbeits- oder Lebenssituation wieder, in der der Körper diese Hormone ununterbrochen ausschütten muss, um die Aufgaben zu bewältigen, führt dies neben der psychischen Überlastung auf Dauer auch zu einer körperlichen Überlastung, die in einem Erschöpfungssyndrom oder auch Burnout münden kann.

2. Was sind die häufigsten Stressfaktoren am Arbeitsplatz?

In Stress verfallen wir, wenn wir das Gefühl haben, dass wir einer Situation ausgesetzt sind, die wir nicht so einfach lösen können und die uns nicht behagt. Das kann zum Beispiel ein Zuviel an Arbeit sein, die man in dem vorgegebenen Zeitfenster nicht oder nur unter starkem Stress bewältigen kann, oder auch Konflikte mit Kollegen und/oder der Führungskraft, so dass man immer ein „ungutes Gefühl im Bauch“ hat, wenn man an die Arbeit denkt oder auch eine mangelnde Wertschätzung der getanen Arbeit, so dass man sich fragt: „Warum mache ich das eigentlich?“

3. Haben Sie Anti-Stress-Strategien, die dabei helfen, einen Arbeitstag ohne Strapazen bewältigen zu können?

Die einzig wahre Anti-Stress-Strategie gibt es leider nicht. Was aber wichtig ist, ist sich bewusst zu machen, ob man in seinem Arbeitsalltag seine Stärken, Fähigkeiten und Interessen mit einbringen kann. Denn nur, wenn man in dem, was man jeden Tag leistet, Freude und einen Sinn sieht, kann man auch stressige Phasen besser überstehen und bleibt motiviert. Es hilft sich hierbei die Frage zu stellen, wo man in 2 oder 5 Jahren sein möchte. Kann alles so bleiben wie es ist, oder wünscht man sich eine Veränderung? Wenn ja, wie sollte diese Veränderung aussehen und kann ich heute schon einen positiven Einfluss auf den Verlauf dieser Veränderungen nehmen? Die Überzeugung, sein Leben selbst bestimmen und gestalten zu können und der bewusste Umgang mit seinen Zielen und Bedürfnissen ist im Prinzip die beste Anti-Stress-Strategie.

4. Wie wichtig ist es, sich einen Stressausgleich zur Arbeit zu schaffen und wie kann dieser Ausgleich aussehen?

Die Balance zwischen An- und Entspannung ist auf Dauer der Schlüssel zu einem gesunden und zufriedenen Leben. In welcher Form dieser Ausgleich gelebt wird, kann sehr individuell sein. Der eine kommt bei einer Massage zur Ruhe, der andere bei einem Spaziergang durch den Wald, und wieder andere beim Tanzen zu lauter Musik. Sportliche Aktivitäten, bei denen die innere Anspannung durch Muskelaktivität abgebaut wird, haben einen besonders positiven Einfluss auf unser Stressniveau und somit unser Wohlbefinden. Auch Entspannungstechniken, wie beispielsweise Yoga oder autogenes Training, eignen sich hervorragend zum Stressabbau. Zudem stellen auch verbindliche soziale Kontakte eine wertvolle und stabilisierende Säule dar, die gerade in besonders stressigen Phasen oft vernachlässigt wird. Oftmals kann es auch schon helfen, einfach kurz innezuhalten, tief durchzuatmen und die Gedanken auf etwas Positives zu lenken. Es bleibt am Ende des Tages jedoch für jeden selbst zu beantworten: Was gibt mir Kraft und was raubt mir Kraft? Für den richtigen Ausgleich muss dann jeder sein eigenes Rezept finden.

5. Woher kommt die (oft unbegründete) Angst, einfach mal „Nein“ zu sagen oder Aufgaben abzugeben? Wie kann man dieser Angst entgegenwirken?

Die meisten Betroffenen, die nicht „Nein“ sagen können, können ihre Sorge davor meist sehr klar begründen: Es ist die Angst vor Ablehnung und die Befürchtung seinen Job zu verlieren. In dem Moment, in dem man sagt, dass es einem zu viel ist, gibt man zu, den Anforderungen nicht gewachsen zu sein. Die daraus resultierenden, befürchteten Konsequenzen, seine Karriere oder sogar seinen Job zu gefährden, machen den Menschen Angst. In diesem Fall ist es angebracht sich zu fragen, ob dieses Verhalten einen wirklich an sein Ziel bringt. Oft ist es nämlich so, dass die Betroffenen merken, dass dieses Verhalten sie gar nicht voran bringt. Ganz im Gegenteil, es frustriert und schwächt deren Leistungsfähigkeit auf Dauer, weil sie sich zum Teil ausgenutzt und nicht wertgeschätzt fühlen. Es führt dann kein Weg daran vorbei, sich mit seinen Kollegen und der Führungskraft objektiv mit dem Pensum der Aufgaben auseinander zu setzen und zu überlegen, wie man die zu erledigenden Aufgaben im Team besser aufteilt und klare Verantwortungsbereiche schafft.

6. Stichwort „Entschleunigung“ – Wie hilfreich ist es, nach Feierabend und am Wochenende nicht mehr dauerhaft erreichbar zu sein?

Wenn man im Job viel unter Strom steht, dann ist es absolut essentiell sich klare Auszeiten zu gewähren, indem man nicht ständig in „Alarmbereitschaft“ steht. Kontrolliert man auch nach Feierabend und am Wochenende ständig seine Mails, die einem immer wieder mit den noch anstehenden To-dos konfrontieren, schüttet der Körper immer wieder die bereits erwähnten Stresshormone aus und man kommt nicht zur Ruhe. Nur wenn der Körper sich von der Belastung des Arbeitsalltags regenerieren kann, ist er gestärkt die täglichen Herausforderungen auf Dauer gesund zu meistern.

7. Gibt es verschiedene Stresstypen mit unterschiedlichen Toleranzgrenzen?

Ja, es lassen sich in der Tat unterschiedliche Stresstypen, aber auch Mischformen unterscheiden. Es gibt zum einen Menschen, die gerne viel Verantwortung übernehmen, hohes Engagement zeigen, aber Schwierigkeiten haben Aufgaben abzugeben, alles an sich reißen und nur spät merken, dass sie sich damit langfristig überlasten.

Dann gibt es zum anderen die sozial sensiblen Menschen, die besonders hilfsbereit sind, nicht „Nein“ sagen können und denen zwischenmenschliche Harmonie besonders wichtig ist und die deshalb Konflikte scheuen. Der Stress entsteht hierbei dadurch, dass diese Menschen ihre Bedürfnisse hinten anstellen, mitunter ausgenutzt werden und ihre aufkommende Wut und Unzufriedenheit immer unterdrücken.

Weiter gibt es Menschen, die auf unerwartete Veränderung mit hohem Stress reagieren. Diese Personen haben Schwierigkeiten, sich auf neue Gegebenheiten einzustellen und werden durch Veränderungen in ihrer Arbeitsroutine stark verunsichert.

Die optimalste Stressbewältigung haben Menschen, die durchaus ein hohes Engagement zeigen, aber auch ein Bewusstsein für ihre Ressourcen haben und sich regelmäßig Pausen zur Erholung gönnen. Sie kennen ihre Stärken, schätzen aber auch die Vorteile der Zusammenarbeit im Team.

8. Woran liegt es, dass manche Menschen schneller gestresst sind als andere?

Die Stresstoleranz jedes Menschen ist unterschiedlich, siehe auch Frage 7. Sie hängt aber auch sehr stark von der aktuell herrschenden Gesamtbelastung des Betroffenen ab. Fühlt sich ein Mensch in mehreren Lebensbereichen überfordert, wird dieser natürlich auf Dauer „dünnhäutig“ und fühlt sich von Gegebenheiten gestresst, die ihm sonst leicht von der Hand gingen.

9. Wie kann negativer Stress in positiven Stress umgewandelt werden?

Wenn man jeden Tag angespannt zur Arbeit geht, nur abarbeitet, keine Freude hat und in dem, was man Tag für Tag leistet, keinen Sinn sieht, ist der empfundene Stress negativ und macht krank und unglücklich. In dem Fall muss man sich überlegen: Was macht mir ein meinem Tätigkeitsfeld Spaß, was motiviert mich? Wenn man sich Ziele setzt, die man erfolgreich erreichen kann, für die man sich belohnt und gut fühlt, wird der empfundene Stress nicht mehr als negativ, sondern als positiv motivierend erlebt

10. Spielt es für mein Stressempfinden eine Rolle, wie ich mich ernähre?

Da es wissenschaftlich erwiesen ist, dass permanenter Stress das Immunsystem schwächt und den Organismus anfälliger für Krankheiten macht, ist es für stressgeplagte Menschen umso wichtiger sich ausgewogen zu ernähren. Nur wer seinem Körper regelmäßig und ausreichend wichtige Vitamine und Nährstoffe zufügt, bleibt körperlich und geistig fit, um die Anforderungen des Tages souverän meistern zu können. Als Snack zwischendurch soll hierbei besonders das sogenannte „Brainfood“ auch bekannt als Studentenfutter erwähnt sein. Die Mischung aus Trockenobst und Nüssen gibt schnell Energie und hat durch den hohen Gehalt an B-Vitaminen sowohl einen positiven Effekt auf unser Nervensystem als auch auf unser Gehirn und dessen Leistungsfähigkeit.

 

 

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