Flexibel arbeiten
Arbeitszeitmodelle

Flexible Arbeitszeit: Chancen und Risiken

Ob Gleitzeit, Vertrauensarbeit oder Homeoffice: Arbeitnehmer wünschen sich verstärkt flexible Arbeitszeiten und Alternativen zum starren Nine to Five Job. In unserem Blogbeitrag erklären wir verschiedene Arbeitszeitmodelle, zeigen Vor- und Nachteile auf und geben Tipps, wie Sie das Thema beim Chef anbringen.

 

 

Kontrolle ist besser? So scheint es zumindest in einigen deutschen Unternehmen zu sein, wenn es um das Thema Arbeitszeit geht. Nach wie vor herrschen oft starre Arbeitszeiten und unflexible Strukturen vor. Vertrauen und das Eingehen auf die individuellen Bedürfnisse der Mitarbeiter? Das wird augenscheinlich überschätzt. Viele Arbeitgeber können oder wollen ihren Mitarbeitern die Entscheidung über die Dauer sowie Anfangs- und Endzeiten ihres Arbeitstages nicht selbst überlassen. Dabei wünschen sich die meisten Arbeitnehmer eine flexiblere Gestaltung ihrer Arbeitszeiten und mögliche Alternativen zum starren Nine to Five Job.

Es gibt in deutschen Unternehmen aber auch mehr als ausreichend Beispiele, in denen modernere Arbeitszeitmodelle bereits im Einsatz sind. Dort lautet das Credo: Flexible Arbeitszeiten und die Mitarbeiter selbst entscheiden lassen, zu welcher Tageszeit sie am produktivsten sind. Dazu gehören Modelle wie Gleitzeit, Teilzeit oder Arbeit auf Vertrauensbasis. Davon können gerade berufstätige Eltern profitieren. „Bereits 2011 galt nur noch für knapp 13 Prozent der Beschäftigten in Deutschland die klassische „Normalarbeitszeit“, das heißt, sie arbeiten zwischen 35 und 42 Stunden, von montags bis freitags ohne Schichtdienst, Überstunden oder Gleitzeit.“1

Arbeitszeitmodelle: Frühaufsteher und Nachteulen

Ganz generell gilt: Der Erfolg eines Modells hängt maßgeblich von dessen Ausgestaltung ab.


Gleitzeit

 

Die Gleitzeit ist wohl das beliebteste aller Modelle. Bei diesem Arbeitszeitmodell wird mit den Mitarbeitern eine bestimmte Kernzeit vereinbart, an der sie am Arbeitsplatz anwesend sein müssen. Die Stunden außerhalb dieser Kernzeit können beliebig eingeteilt werden, und der Mitarbeiter kann in einem gewissen Rahmen selbst entscheiden, wann er mit seiner Arbeit beginnt und wann er den Arbeitstag beendet. Das bietet die Möglichkeit, die Arbeitszeit individuell zu gestalten und Frühaufstehern ebenso gerecht zu werden wie Nachteulen. Dabei basiert vieles auf Vertrauen, es sollten aber auch Ziele und Rahmenbedingungen festgelegt werden, damit Ihr Arbeitgeber Ihre Leistung messen kann. Das kann zum Beispiel ein Arbeitszeitkonto sein, auf dem Mitarbeiter ihre Minus- und Überstunden festhalten. Diese können sie binnen eines vom Unternehmen festgelegten Zeitraumes nachholen oder abbauen. Eine Weiterführung der Gleitzeit ist auch die teamorientierte Arbeitszeit: Es wird sich im Team abgestimmt und für jeden Mitarbeiter wird die individuelle Arbeitszeit geplant und vereinbart.

Vorteile: Mit der Gleitzeit können Mitarbeiter ihre Arbeitszeit flexibler gestalten. Private Termine, wie der Arzttermin am Morgen oder ein Behördengang, werden zur alleinigen Sache des Mitarbeiters und können ganz bequem im Rahmen der Gleitzeit erledigt werden. 

Nachteile: Gleitzeitmodelle haben sowohl für Arbeitgeber als auch für Arbeitnehmer eigentlich keine Nachteile. Manchmal kann es notwendig sein, Arbeitszeitkonten der Mitarbeiter zu überprüfen, denn in fast jedem Unternehmen gibt es einen Mitarbeiter, der sehr viele Überstunden ansammelt.


Teilzeit

 

Beim Arbeitszeitmodell der Teilzeit wird die tägliche Regelarbeitszeit (zum Beispiel 8 Stunden) reduziert und individuell vereinbart. Neben der klassischen Halbtagsarbeit, gibt es weitere Möglichkeiten, zum Beispiel die Arbeit an einzelnen festgelegten Tagen in der Woche.  Die Teilzeit wird insbesondere von erwerbstätigen Müttern oder aufgrund einer Weiterbildung wahrgenommen.

Vorteile: Mit dem Arbeitszeitmodell der Teilzeit werden individuelle Freiräume geschaffen. So können auch Mitarbeiter beschäftigt und gebunden werden, die aus den unterschiedlichsten Gründen keiner Vollzeitbeschäftigung nachgehen können.

Nachteile: Aufgrund der reduzierten Arbeitszeit einzelner Mitarbeiter bedarf es einer erhöhten Abstimmung im Team, und der Koordinationsaufwand steigt in der Regel.

 

Vertrauensarbeitszeit

 

Gerade junge Unternehmen setzen vermehrt auf die Vertrauensarbeitszeit als flexibles Arbeitszeitmodell. Das setzt voraus, dass ein Vertrauensverhältnis zwischen Arbeitnehmern und Arbeitgeber, sowie ein hohes Maß an Eigenverantwortung und ein gutes Zeitmanagement bestehen. Denn im Gegensatz zur Gleitzeit gibt es keine Kernarbeitszeiten. Grundprinzip dieses Modells ist es, dass der Mitarbeiter seine Aufgaben termingerecht erledigt. Wann er dabei kommt oder geht, liegt in seinem eigenen Ermessen.

Vorteile: Eigenverantwortliches Arbeiten motiviert und spornt an. Zudem werden Leerläufe und ein Absitzen der Arbeitszeit vermieden, da der Mitarbeiter selbst über sein Zeitmanagement bestimmt.

Nachteile: Oft ist eine ausgewogene Work-Life-Balance nicht mehr möglich, da Arbeit und Privates sich vermischen. Schlechtes Zeitmanagement oder unrealistische Zielvereinbarungen können zudem zu Überforderungen, Stress und unter Umständen sogar zu einem Burn-out führen.

Fazit: Der „Nine to Five Job“ ist auf dem Rückzug

Eines scheint jedenfalls klar: Starre Arbeitszeitmodelle werden langfristig nicht bestehen können. Gerade junge Leute sehnen sich danach flexibel zu arbeiten. Doch nicht nur aus Arbeitnehmersicht ist eine Auflockerung starrer Modelle sinnvoll: Auch der Arbeitgeber profitiert davon, denn eine flexiblere Einteilung der Arbeitszeit führt in der Regel auch zu einer höheren Produktivität. Der Biorhythmus des einen Mitarbeiters ist nämlich oft ein ganz anderer als der des Kollegen. Während der eine bereits am frühen Morgen sein Hoch hat, kommt der andere erst am Nachmittag so richtig in Fahrt und arbeitet lieber bis in die Abendstunden hinein. Gerade für Führungskräfte ist es deshalb wichtig, auf die individuellen Bedürfnisse Ihrer Mitarbeiter einzugehen.

Klar ist: Die Einführung flexibler Arbeitszeiten verläuft nicht immer reibungslos. Viele Arbeitnehmer trauen sich nicht, eine Aufweichung starrer Arbeitszeiten anzusprechen oder solche Regelungen gar einzufordern. Sie befürchten, in einem schlechten Licht wahrgenommen und als Leistungsverweigerer gesehen zu werden. Dabei wünschen sie sich nur, dass man ihre individuellen Bedürfnisse berücksichtigt, damit Leistung und Motivation steigen.

Wenn Sie also Ihre Arbeitszeiten flexibler gestalten möchten, fragen Sie nach Gleitzeit, Teilzeit oder Vertrauensarbeit. Machen Sie sich einen Plan und überlegen Sie, wie sowohl Sie als auch Ihr Arbeitgeber von einem der flexiblen Arbeitszeitmodelle profitieren können. Es ergibt keinen Sinn, Mitarbeiter zum Absitzen ihrer Arbeitszeit zu verdonnern, wenn dabei die Motivation stetig sinkt. Denn vor allem Fachkräfte sind bereit, mehr Eigenverantwortung zu übernehmen. Das Zeitmanagement für Ihre Projekte planen Sie ohnehin größtenteils selbst. Und wer sich die Dinge selbst einteilen darf, stürzt sich auch mit mehr Freude auf die Arbeit.

 

 

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